Geschichte

Ein Rückblick

Die Idee für das Medibüro Kiel entstand 2009 auf einer Veranstaltung der Kieler „Interkulturellen Wochen“. Damals stellte das Berliner Medibüro seine Arbeit vor und die Mehrheit der Besucher*innen war sich einig: „Das machen wir hier auch.“

Aus einer Idee wurden schnell Taten und so treffen wir uns bis heute regelmäßig alle 14 Tage zum gemeinsamen Plenum. Seit 2013 sind wir ein eingetragener Verein.

Im ersten Jahr wurden unsere Treffen ausschließlich zum Aufbau unserer Strukturen genutzt und viel darüber diskutiert, welche sozialen, aber auch politischen Ziele wir mit einem Kieler Medibüro verfolgen möchten. Hinzu kamen Aufgaben wie das Erstellen eines mehrsprachigen Infoblattes, einer Homepage und natürlich das Anwerben von Praxen und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens.

Einer der zentralen Bestandteile unserer Arbeit ist die Vermittlungssprechstunde, die wir zum ersten Mal im Oktober 2010 in den Räumlichkeiten der Zentralen Bildungs- und Beratungsstelle (ZBBS) anbieten konnten.

Seitdem vermitteln wir jeden Dienstag Patienten*innen ohne Papiere sowie EU-Bürger*innen ohne Krankenversicherung zu ärztlichen Praxen und ggf. auch zu Migrationsberatungen, Krankenhäusern sowie anderen Einrichtungen.

Ergänzend zur Vermittlungsarbeit ist die politische Arbeit das zweite Standbein des Medibüros. Unser dabei verfolgtes Ziel ist, uns selbst abzuschaffen, sobald der Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Deutschland gewährleistet ist. Dass dies bis dato keine leichte Aufgabe ist, zeigt sich u.a. darin, dass wir bis heute bestehen. Dennoch können wir auf ein paar Erfolge zurückblicken:

2012/2013 – Mit der Kampagne „Fairer Start ins Leben“ konnten wir erreichen, dass sich die Versorgung von schwangeren Frauen und Neugeborenen in Kiel deutlich verbessert hat. Beim Amt für Gesundheit Kiel arbeitet mittlerweile eine Gynäkologin ausschließlich für Frauen ohne Krankenversicherung. Mit der Frauenklinik des Universitätsklinikums Kiel besteht eine enge Zusammenarbeit bezüglich der Geburten.

Standortübergreifend verfolgen wir zusammen mit anderen Medibüros und –netzen das Ziel der Einführung eines anonymisierten Krankenscheins für alle Menschen ohne geregelten Aufenthaltsstatus. 2018  begannen bereits Pilotprojekte wie z.B. in Thüringen und Berlin.

2018 zählten wir deutschlandweit 27 Medibüros und Medinetze. Um an gemeinsamen Zielen zu arbeiten, sich über erfolgreiche Projekte und Ideale auszutauschen und über Leitbilder zu philosophieren wird jährlich ein Vernetzungswochenende veranstaltet. Vom 25. –27. Mai 2018 richteten wir den 11. Bundeskongress der Medibüros, Medinetze und Medizinischen Hilfen für Menschen ohne Papiere in Kiel aus. 80 Mitstreiter*innen aus 24 Städten diskutierten sowohl im Rahmen einer öffentlichen Podiumsdiskussion als auch in Workshops gemeinsam mit Referent*innen aus unterschiedlichen Fach- und Praxisbereichen.

Die schlechte medizinische Versorgung von Menschen ohne Papiere ist aber nicht nur ein hiesiges Problem. Die in Brüssel beim EU-Parlament ansässige Lobbyorganisation PICUM (Platform for International Cooperation on Undocumented Migrants) setzt sich europaweit für eine Verbesserung der Situation von Geflüchteten und Migrant*innen ein. Seit Juni 2014 sind auch wir dort Mitglied. Gemeinsam mit PICUM und Maisha e.V. hat ein Vertreter des Medibüro Kiel e.V. einen Schattenbericht zur CEDAW Session (Convention on the Elimination of All Forms of Discimination against Women) erarbeitet und diesen am 21.02.2018 in Genf vorgestellt.

Als weiteren internationalen Höhepunkt unserer Lobbyarbeit sind die Teilnahme am Informal Multi-Stakeholder Hearing for the UN General Assembly im Juli 2016 und ebenso am United Nations General Assembly Summit for Refugees and Migrants im September 2016 zu nennen.

Wir alle arbeiten ehrenamtlich und die entstehenden Kosten werden vollständig durch Spenden finanziert. An dieser Stelle vielen Dank an alle Spender*innen. Um weitere Spendengelder zu generieren, veranstalten wir hin und wieder verschiedene Aktionen. Als Highlight sei unsere 2015 veranstaltete Kunstauktion genannt, zu deren Anlass uns verschiedene Künstler*innen ihre Werke gestiftet haben. Der Erlös ging wie all unsere Spendengelder in die direkte Versorgung der Patient*innen und zu einem geringen Teil in unsere Öffentlichkeitsarbeit.

All unsere Arbeit bis heute ist ein Anfang – aber wir können keine Vollversorgung leisten und das sollte auch nicht unsere Aufgabe sein. Also bleiben wir am Ball, bis unser Ziel, uns selbst abzuschaffen, erreicht ist.